Der Passauer Bürger verliert Schritt für Schritt seine Berührungsängste mit den Freimaurern. Freimaurerjazz, veranstaltet von der Passauer Loge „Zu den vereinigten drei Flüssen i. O. Passau“ ist schon fast Tradition. Die Loge unter seinem derzeitigen MvSt Franz-Josef Gotzler hat jetzt eine weitere  Tradition wiederbelebt, die der Pariser Salons. In unserer modernen Welt der plakativ-medialen Diskussionsveranstaltungen, der opportunistischen Politselbstdarstellung und plakativer Gemeinwesenvergifter, scheint eine Idee in Vergessenheit geraten zu sein. Die Salon-Idee des 18. Jahrhunderts, in der interessierte Menschen zusammenkommen, um politische, philosophische oder auch literarische Gespräche zu führen, kurz: um Geist und Geselligkeit zu vereinen.

Die zahlreichen Salons, die es in Paris gab, bildeten eigene Foren, in denen gesellschaftliche Ereignisse nicht nur diskutiert und besprochen wurden, sondern die selbst auch gesellschaftliches Ereignis waren. Die Salons waren gesellschaftliche Formen des ungezwungenen Treffens und stellten zugleich eine eigene Machtsphäre dar, die Machtsphäre des Geistes. An dieses Vorbild will die Passauer Loge „Zu den vereinigten drei Flüssen“ mit dem im Oktober 2015 ins Leben gerufenen „Salon – Batavis“ anknüpfen.

Für den zweiten Salon am 26. Februar 2016 konnte der bekannte Journalist und Dalai Lama – Kenner Dr. Franz Alt gewonnen werden. Der Veranstaltungsraum im Passauer IBB Hotel war voll. 150 interessierte Passauer waren sehr positiv überrascht von den Ausführungen des früheren Reporters und ARD Moderators. Es ging um das neue Buch von Franz Alt, in dem dieser sich mit der Kernbotschaft „Ethik ist wichtiger als Religion“ befasst, einer Aussage des Dalai Lama. Das Buch ist seit Juli 2015 ununterbrochen auf der Spiegel Bestsellerliste. Es besteht im Wesentlichen aus einem langen Interview von Franz Alt mit dem Dalai Lama sowie einem „Appell“ des geistlichen Oberhaupts der Tibeter. Religion werde – auch von religiösen Führern – oft „missbraucht und instrumentalisiert, um politische oder wirtschaftliche Interessen durchzusetzen“, argumentiert der Dalai Lama in seinem Aufruf „für eine säkulare Ethik und Frieden“.

Franz Alt stellte zutreffend fest, dass das Gedankengut der Freimaurerei sich durchaus mit seinem und dem des Dalai Lama deckt. Die Mahnung, Ökologie sei die Überlebensfrage der Menschheit, müsse alle vernünftig denkenden Menschen beschäftigen. Würde der Dalai Lama hier leben, wäre er vielleicht Mitglied Ihrer Loge, meinte Franz Alt. Nach den Anschlägen vom Januar 2015 auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ sagte der Dalai Lama den bemerkenswerten Satz: „An manchen Tagen denke ich, dass es besser wäre, wenn es gar keine Religionen gäbe.“ Diesem Zitat war auch der Titel des Vortrags von Franz Alt entlehnt, der bereits auf 35 Begegnungen mit dem Dalai Lama zurückblicken kann. Ihn bezeichnete Alt „als den wahrscheinlich ältesten Flüchtling auf der Welt“

Die Passauer Loge „zu den vereinigten drei Flüssen“ kann heuer auch auf ihr 240-jähriges Bestehen zurückblicken. Die Gründungszeit reicht also genau in die Jahre der Aufklärungszeit, in der in den Pariser Salons Freimaurerbrüder wie Denis Diderot, Voltaire, Jean-Jacques Rousseau, Benjamin Franklin oder Baron d’Holbach zusammensaßen, um die Macht von Thron und Altar zu brechen. Humanität und säkulare Ethik waren damals bereits zentrale Themen.

Was sich aus freimaurerischer Sicht hinter dem Begriff der Ethik, verbirgt, versuchten Franz-Josef Gotzler, MvSt und Wolfgang Böhm, bayerischer Distrikt-Redner, dem Auditorium darzulegen. Auch der Zugeordnete Großmeister Karl Deckart, ließ es sich nicht nehmen, nach Passau zu reisen, um dem Salon Batavis einen Besuch abzustatten. Eines ist nach den vielen öffentlichen Veranstaltungen der Passauer Loge „zu den vereinigten drei Flüssen“ aber bereits zu erkennen. Passauer Bürger nehmen die Loge positiv wahr. Sie kommen nicht mehr, um vielleicht einen Blick hinter Freimaurerkulissen zu ergattern, sondern, weil sie das Veranstaltungsthema interessiert.

Schon lange hatte keine Zeit mehr es so nötig, den Mut zu haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Der Salon Batavis wird hierzu versuchen seinen Beitrag zu leisten. Wir dürfen auf die nächsten Themen gespannt sein.